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Kurznachrichten

25.8.2001

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Immer informiert sein, über Neuigkeiten aus der jüdischen Welt: Milch & Honig bietet knapp den Überblick aus allen Sparten

Israel befürchtet Einsturz des Tempel Berges

Luftaufnahmen haben gezeigt, dass die südliche Wand der al-Aqsa Moschee zu einer Seite geneigt ist.
Die Gründe sind einfach Verschleiß über einen längeren Zeitraum und dass die Renovierungsarbeiten von Waqf durchgeführt wurden. Wenn die Wand nicht sofort renoviert wird, sagen die Experten, wird die Wand zusammenbrechen und die Moschee einstürzen.
Ein solcher Einsturz würde nicht nur viele Menschen verletzen, sonder hätte darüber hinaus noch weitreichende politische Folgen.
Israel hat angeboten, bei der Renovierung der Mauer zu helfen, aber Waqf hat noch nicht auf das Angebot reagiert. Falls die Mauer zusammen bricht, sagen sie, wird es einen allgemeinen Krieg geben. Die Stadtverwaltung ist hilflos. Die Gefahr wurde entdeckt, als die Stadtverwaltung und die Polizei Experten Fotos des Tempelberges übergaben, um die Renovierungsarbeiten einzuschätzen, die von der islamischen Waqf ohne israelische Genehmigung und Absprache auf dem Tempel Berg durchgeführt wurden. Die Experten entdeckten überrascht, dass die südliche Mauer der Moschee nach außen, Richtung Süden geneigt ist. Die südliche Mauer der Moschee ist Teil der Stadtmauer der Altstadt Jerusalems gegenüber dem Dorf Silwan und dem reichen Stadtviertel "Davids City".
Israelische Archäologen haben seit 1967 am Fuße dieser Mauer Ausgrabungen durchgeführt. In Israel wird sich darauf berufen, dass es keine Verbindung zwischen den Ausgrabungen und der Neigung der Mauer gibt, da die Ausgrabungen einen vernünftigen Abstand von der Mauer entfernt durchgeführt werden. Allerdings befürchtet Israel, dass die Palästinenser nur die Angelegenheit ausnützen werden, um zu behaupten, dass es die Archäologen sind, die für die Gefährdung der Stadtmauer verantwortlich sind. Seit 1967 beschuldigen die Palästinenser Israel, Ausgrabungen unter dem Tempel Berg durchzuführen, um das Fundament der Moscheen zu schwächen und diese zum Einsturz zu bringen. Das, so sagen sie, sei Teil eines Planes jüdischer Extremisten, die Moscheen zu zerstören und den Dritten Tempel an ihrer statt zu bauen.
Der Palästinensische Mufti von Ostjerusalem, Sheikh Ekrema Sabri, hat kürzlich gewarnt, dass jeder Versuch den Status Quo des Tempel Berges zu verändern, zu einem völligen Krieg im Nahen Osten führen würde.
Der Fund der Experten wurde kürzlich an die islamischen Waqf in Ostjerusalem und an die Regierung Jordaniens weitergegeben.
Die Waqf Administration, die der jordanischen Regierung unterliegt, hat dem Leiter der Palästinensische Autonomiebehörde, Yasser Arafat, darüber Bericht erstattet. Offensichtlich würde Waqf die Renovierungsarbeiten ohne israelische Hilfe durchführen. Eine Möglichkeit ist es, dass Jordanische, Ägyptische und Marokkanische Experten eine Runde durch den Tempel Berg machen, um Wege zu empfehlen, mit der Angelegenheit fertig zu werden. Vielleicht sollte die Intervention der europäischen Union lieber hier investiert werden, statt die Palästinensische Autonomiebehörde moralisch und finanziell bei ihrer kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel zu unterstützen. Zu diesem Zeitpunkt ist die Ursache für das Anschwellen der Mauer noch nicht klar.
Eine Annahme ist, dass Bodenverschiebungen über die verschiedenen Jahrhunderte und Verschleiß für diese Veränderungen verantwortlich sein könnten.
Die Experten schließen nicht aus, dass die Bauarbeiten, die von Wasq auf dem Tempelberg durchgeführt wurden, vor allem dem Bau einer Untergrundmoschee - El Marwani (das Juden Salomon's Ställe nennen), ebenfalls zur Gefährdung der Mauer beigetragen haben. Sie berufen sich darauf, dass die Anwesenheit mehrerer Tausend Gläubiger in der Moschee, vor allem während Ramadan, zu viel Druck auf die Steine der Mauer ausüben und diese sich so verschieben. Shalom Goldstein, Berater der Stadtverwaltung für arabische Angelegenheiten, gab an, dass es der Stadtverwaltung bekannt sei, dass die Mauer einen Bauch hat. Aber die Stadtverwaltung kann nichts dagegen unternehmen, da ihr eine gesetzliche Grundlage fehlt, um auf den Tempelberg zu gehen. Lediglich Polizisten könnten dies für Sicherheitsangelegenheiten tun. Die Stadtverwaltung könne nur zusehen und Warnungen aussprechen. Abgesehen davon, hat die Stadtverwaltung auf dem Tempelberg keinerlei Autorität.

Arafat und Peres in Berlin

Nachdem Ariel Sharon zur Überraschung der israelischen Bevölkerung letzte Woche seinem Außenminister Shimon Peres grünes Licht für erste Gespräche mit P.A. Chef Yasser Arafat gegeben hat, entwickelte sich neue Hoffnung im Nahen Osten ziemlich Rapide.
Erste Gespräche wurden von Yasser Arafat mit einem Hinweis auf die Besetzung des Orient House durch Israel abgelehnt. Das Orient House ist ein Privathaus, das die Palästinenser mit Duldung Israels für soziale Aufgaben in Ostjerusalem nutzen konnten.
De facto hatte die P.A. dort aber ihren mehr oder weniger offiziellen Regierungssitz eingebaut. Sie nutzten das Gebäude als Palästinensisches Außenministerium - eine Aufgabe die eindeutig gegen die mit Israel geschlossenen Abkommen verstößt, da die Palästinenser zwar eine gewissen Autonomie genießen, zum derzeitigen Stadium die Außenpolitischen Aufgaben des gesamten Territoriums aber bei Israel verbleiben. Im Orient House wurden, so fand man bei der Besetzung heraus, auch ausführliche Pläne erstellt, in der die Forderung der Flüchtlinge aufgenommen wurden.
Dabei hat man auch in Westjerusalem alle Häuser und deren aktuellen Bewohner aufgenommen und festgestellt, welche Palästinenser nun auf diese Häuser Anspruch erheben könnte. Mit anderen Worten, es handelte sich schlicht um einen Übernahmeplan der Palästinenser für ganz Jerusalem. Das Orient House wurde von der israelischen Armee vor zwei Wochen beschlagnahmt als Gegenmaßnahme nach dem schweren Bombenanschlag auf die Westjerusalemer Pizzeria Sbarro, bei der 16 Menschen umkamen. Yasser Arafat hatte ursprünglich die Rückgabe des Gebäudes für politische Zwecke gefordert, bevor er zu Gesprächen bereit war. Israel, auf der anderen Seite, fordert völliger Waffenstillstand bevor Gespräche wieder aufgenommen werden. Nun ist es dem deutschen Außenminister Joschka Fischer offensichtlich gelungen, hier eine Bresche zwischen den beiden Feinden zu schlagen. Sie haben sich nun damit einverstanden erklärt, sich zu treffen und über Möglichkeiten zu reden, den bereits ausgehandelten Waffenstillstand in die Praxis umzusetzen. Die Pläne sehen eine Zonenweise Beruhigung vor, die mit Gaza beginnen soll. Danach wollen beide Parteien an die Realisierung des Mitchell Planes gehen. Das deutsche Außenministerium hat zwar die Gespräche bestätigt, der Ort sei allerdings noch nicht bekannt. Während dessen berichten die israelischen Medien, dass die Gespräche voraussichtlich nächste Woche in Berlin statt finden werden. Dies sei in Anerkennung des diplomatischen Erfolges Joschka Fischers. Deutschland gilt heute in der Region als der Fairste Verhandlungspartner. Deutschland ist, neben den U.S.A. Israelis größter Alliierter. Auf der anderen Seite hat Deutschland auch wichtige wirtschaftliche und lange politische Kontakte mit der arabischen Welt. Die Schweizer Botschaft gab bekannt, dass die Schweizer Regierung angeboten habe, die Gespräche könnten in der Schweiz statt finden. Aber bisher habe die Schweiz keine Antwort auf dieses Angebot erhalten. Es ist aber zu bezweifeln, dass dieses Angebot angenommen wird. Die Schweiz hat sich in letzter Zeit bei Israel nicht gerade beliebt gemacht. In den letzten Monaten sind dort einige religiöse Juden angegriffen und ermordet worden, einer der Israelis, die sich gegenwärtig in den Händen der Hisbollah in Libanon befindet, wurde in der Schweiz entführt und auch die ganze Angelegenheit mit den Schweizer Konten der Nazis verschafft der Schweiz nicht gerade viele Sympathiepunkte. Die Stimmung im Nahen Osten ist verhalten optimistisch. Keine der beiden Seiten erwartet sich viel von den Gesprächen. Denn letztlich geht es darum, die Abkommen umzusetzen, und daran sind sie bisher noch alle gescheitert. Darüber hinaus haben sich die Positionen beider Seiten fundamental verändert. Die Palästinenser wollen einen Staat gemeinsam mit den Israelis. Im Klartext heißt das, sie wollen letztlich ganz Israel im Rahmen der Grenzen von 1948. Mittlerweile machen sie kaum noch einen Hehl daraus, dass sie Großpalästina anstreben. Eine Koalitionsregierung zwischen Arafat zusammen mit der Hamas und Jihad sind nicht gerade gute Zeichen für eine friedliche Lösung des Konfliktes. Die Palästinenser befinden sich im Moment auch in der stärkeren demographischen Lage, um dies durchzusetzen. Bereits 20 % der israelischen Bevölkerung ist Palästinensisch, ohne die Menschen in Gaza und der West Bank dazu zu zählen. Die Palästinensische Bevölkerung in Israel hat eine Geburtenrate von 6 Kinder pro Familie, während die säkularen Juden gerade mal 2 Kinder pro Familie haben. Die Chassiden und Charedi, religiöse Juden, haben einen leicht höheren Prozentsatz mit 4 Kinder pro Familie. Es bedarf keiner großen Mathematik, um auszurechnen, dass in wenigen Jahren die Palästinenser die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen werden. Deshalb will Israel zwei Dinge: eine aggressive Einwanderungspolitik. Es gab keine bessere Zeit für eine Aliyah. Und die sogenannte "unilaterale Trennung". Sie wollen kein autonomes Palästinensisches Gebiet innerhalb Israels mehr haben, sondern die endgültige Trennung, wenn es sein muß einseitig deklariert, durchführen. Auf diese Weise erhoffen sie, sich die lästigen Palästinenser von Gaza und der West Bank vom Halse zu schaffen und sich dann um das demographische Gleichgewicht im eigenen Lande kümmern zu können.

Erneute Zwischenfälle im Gazastreifen/ Peres will Arafat treffen

In den Autonomiegebieten kamen erneut mehrere Palästinenser bei israelischen Vergeltungsmaßnahmen ums Leben, darunter auch ein 13-jähriger Junge, in Rafah, dem südlichen Grenzstreifen.
Trotz der anhaltenden Gewalt möchte Außenminister Schimon Peres über ein Friedensabkommen mit Arafat verhandeln, dieser zeigte sich jedoch ablehnend.
Die Süddeutsche Zeitung berichtet weiter:

" Der israelische Außenminister Peres sagte, er wolle mit den Palästinensern über ein Ende des Blutvergießens verhandeln. Er hoffe, sich bald mit dem palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat treffen zu können, sagte Peres dem israelischen Fernsehen. Er wolle den Palästinensern eine „stufenweisen Waffenruhe“ vorschlagen, sagte Peres. Dazu gebe mit den Palästinensern entsprechende Kontakte auf verschiedenen Ebenen. Da der Nahost- Konflikt festgefahren sei, sei eine neue diplomatische Initiative erforderlich.

„Was Herr Peres sagt, ist nur ein Trick, um von der Politik der Anschläge und Angriffe gegen das palästinensische Volk abzulenken“, sagte der palästinensische Informationsminister Jassir Abbed Rabbo. Parlamentspräsident Ahmed Kurei lehnte ein Treffen ab. Man werde erst mit Peres sprechen, wenn Israel das am 10. August besetzte Orient-Haus in Ost-Jerusalem räume, sagte er der palästinensischen Tageszeitung Al Kuds."

Außenminister Fischer fährt heute im Anschluss an ein Treffen mit dem ägyptischen Aussenminister weiter nach Israel, wo Gespräche mit Scharon, Peres und Arafat geplant sind. Die ursprünglich für acht Tage angesetzte Reise, wird wegen des Sondereeinsatzes in Mazedonien verkürzt.

(Süddeutsche Zeitung, 20.8.01)


Mehr rechte Gewalttaten an Schulen im vergangenen Jahr

Laut einem Bericht der Sprecherin der Berliner Schulverwaltung, Rita Hermanns, sei die Zahl der registrierten rechten Gewlttaten im vergangen Jahr um 7,6 Prozent angestiegen. Waren es im vergangenen Jahr 251 Vorfälle, stieg im Schuljahr 2000/2001 die Zahl der Übergriffe auf 271 an. Der Schulsenator Klaus Böger äußerte sich besorgt über diese Tendenz.

Die Taten, so die Schulverwaltung, würden durch eine zunehmende Sensibilisierung von Lehrern und Schülern schneller zur Anzeige gebracht und auch härter bestraft.
Nach Ansicht von Böger hat sich der Einsatz von sogenannten Konfliktlotsen bewährt, die einen besseren Zugang zu den Jugendlichen hätten, als die Erwachsenen.

Insgesamt werden zwei Drittel der rechtsextremistischen Taten im Ostteil der Stadt verrübt, 67,3 Prozent der Täter waren männlich, in einem Alter zwischen 12 und 16 Jahren.

(Berlin online 20.8.01)

Interview mit dem israelischen Botschafter Shimon Stein

In einem Interview des Berliner Kuriers äußerte sich der israelische Botschafter, wie folgt:
" Von Dominik Höch und Relly
Das Verhältnis zwischen Israel und Deutschland ist auf Grund der Geschichte ein Besonderes. Jeder Botschafter des Staates Israel geht daher mit sehr eigenen Gefühlen nach Berlin.


Im Januar dieses Jahres haben Sie Ihre neue Botschaft bezogen. Sie gilt als die schönste Israels überhaupt. Wie fühlen Sie sich im neuen Haus?

Meine Mitarbeiter und ich fühlen uns hier in diesem Gebäude wohl. Ich wohne allerdings in einer Residenz gleich neben der Botschaft, die etwa 900 Quadratmeter groß ist. Das ist riesig groß für eine durchschnittliche Familie und erst recht für eine Person.

Ist Ihre Familie nicht in Berlin?
Meine Frau war hier schon zwei Mal. Aber sie ist ja nicht nur meine Frau und die Mutter unserer Kinder, sondern sie hat auch eine eigene Karriere und einen Beruf. Sie ist Psychologin. Sie fühlt sich nicht nur traditionell als die Frau des Botschafters. Wir verstehen uns anders.

So sieht das ja Frau Borer-Fielding auch ...

Ich glaube, dass sowohl die Rolle des Botschafters als auch die Rolle der Frau sich geändert hat. Es ist ja nicht so, dass die Frau tun muss, was die Frauen der Botschafter vor 20, 30 oder 40 Jahren gemacht haben. Vor 20 Jahren, als wir nach Bonn kamen, war selbstverständlich, dass die Frau dem Mann folgt. Heute haben sich die Zeiten etwas verändert.


Wie wollen Sie das riesige Haus hier nutzen?

Ich habe vor, dort schon bald auch kulturelle Veranstaltungen zu machen. Ich will den Deutschen hier ein offenes Haus anbieten.


Was soll dort stattfinden?
Wir wollen die israelische Kultur den Deutschen näher bringen. Sei es Literatur oder Musik. Alles, was man in einem kleinen Raum für etwa hundert Gäste machen kann, werden wir uns vornehmen.

Das Holocaust-Mahnmal wird nach ewig langen Diskussionen gebaut ...
Ich habe alle Argumente gehört. Das ist eine deutsche Angelegenheit, wie und in welchem Umfang sie sich mit der Vergangenheit auseinander setzen. Mahnmale sind nur eine Weise, wie man die Vergangenheit lebendig hält.

Und wie gefällt Ihnen das neue jüdische Museum?
Ich war noch nicht dort. Ich werde demnächst das Gebäude besuchen und auch zur Eröffnung im September gehen. Es ist eine Anziehungskraft sowohl für Deutsche als auch für Touristen. Insofern tut es der Stadt Berlin vom Tourismus her ganz gut.

Sind Sie mit dem Stand, wie sich das jüdische Leben in Berlin entwickelt, zufrieden?
Manche Juden fühlen sich gut in der Stadt, andere sind etwas beunruhigt über die Rechtsradikalen. Das ist etwas, was man beobachten sollte. Man muss alles tun, die Gefahr dieser Randerscheinung im Keim zu ersticken. Und ich glaube, dass sich die Regierung und die Deutschen dieser Gefahr bewusst sind.

Wenn Sie in der Stadt unterwegs sind, wo sind Sie dann gerne? Ich gehe gern in Kaffeehäuser. Berlin hat in diesem Bereich sehr viel zu bieten. Ich habe die Seen hier entdeckt und war nachmittags mal am Tegeler See, wo ich zweieinhalb Stunden gewandert bin. Darüber hinaus bin ich öfter in der Oper hier und in der Philhar- monie, und auch in Ausstellungen. Ich wünschte mir, ich hätte mehr Zeit.

Man hört, Ihre große Leidenschaft gehört dem Fußball ... Das ist mein Hobby, ja. Bei den letzten fünf Heimspielen der Saison war ich bei Hertha. Dieses Jahr war das Niveau der Bundesliga leider eher mittelmäßig. Ich sage das mit Bedauern, denn die Bundesliga verfolge ich schon seit Jahren.

Auch schon in Israel? Natürlich. Auch wenn es meiner Frau nicht gefallen hat, habe ich immer die Zusammenfassung der Bundesliga jeden Sonnabend dort auf SAT.1 empfangen. Ich freue mich, dass wir im nächsten Jahr Hertha im UEFA-Cup sehen.

Könnte es denn sein, dass Sie Hertha-Fan werden? Ich schaue einfach gerne guten Fußball. Und wie viele Israelis mag ich besonders Borussia Mönchen-gladbach. Deren Trainer in den Siebzigern war Hennes Weisweiler, der sehr gute Kontakte nach Israel hatte. Sie sehen, über Fußball könnten wir stundenlang reden.

War es eine schwere Entscheidung, als Botschafter nach Deutschland zu gehen? Diese Entscheidung, nach Deutschland zu kommen, ist bei mir schon bereits Anfang der achtziger Jahre gefallen. Insofern war es für mich jetzt keine Frage, ob ich die Ernennung akzeptiere oder nicht.

Wie arbeitet ein Botschafter, wie sieht ein typischer Tag für Sie aus? Der fängt für mich etwa um sechs Uhr morgens an. Ich lese fünf Zeitungen bis acht Uhr, damit ich im Büro auf dem Laufenden bin. Um Viertel nach acht bin ich im Büro, und dann habe ich von morgens bis abends Termine. Der Tag endet in der Regel etwa um Mitternacht. Ich versuche aber auch, vier Mal in der Woche Sport zu treiben, denn für mich ist das ein Muss. Wenn es mir gelingt, mache ich das überwiegend über das Wochenende.

Was machen Sie für Sport? Ich mache Jogging und etwas Gewichte-Training. Dafür gehe ich in ein Fitness-Zentrum.

Sie sind ein schwer bewachter Mann. Möchten Sie diesen Schutz nicht manchmal abstreifen? Inkognito zu gehen ist heute schwer, denn ich bin hier schon bekannt. Da muss man sich mit abfinden. Aber: Es hindert mich niemand, das zu tun, was ich tun möchte. Ich schränke mich nicht ein.

Wie sehen Sie die politische Situation in Ihrer Heimatregion? Alles hängt nach meiner Einschätzung von der Bereitschaft der Palästinenser ab, den Terror zu unterbinden. Wenn sie eine klare Absage nicht nur von Amerika, sondern auch von Europa hören, dann werden sie sich Gedanken machen, ob sie weiter den Terror als Mittel einsetzen. Erst dann kann man die politischen Verhandlungen wieder aufnehmen.

Was fühlen Sie persönlich, wenn es zu Anschlägen in Ihrer Heimat kommt? Meine Familie wohnt in Jerusalem. Und wenn meine Frau mir erzählt, dass es 5 Kilometer von unserer Wohnung entfernt in der Nacht zu Gefechten gekommen ist, dann ist man schon unmittelbar betroffen. Das ist ja nicht eine theoretische Frage, wo man sagt, na ja, es wird dort geschossen. Ich habe Sorgen um die Sicherheit meiner Familie.

(Berliner Kurier, 19.8.01)

 

Laut einem Bericht des Tagblatts vom 14.8. verstarb in der Nacht zum Sonntag Sigmund Nissenbaum, der Begründer der jüdischen Gemeinden Konstanz und Freiburg an Herzversagen. Nissenbaum kam unmittelbar nach dem Kriegsende nach Konstanz, von wo aus er ein weltweit operierendes Handelsunternehmen errichtete. Diese wirtschaftliche Grundlage diente auch der in Warschau angesiedelten Familienstiftung der Nissenbaums, die sich für die Rettung des jüdischen Kulturguts in Polen einsetzt.


Ein weiterer palästinensischer Selbstmordattentäter zielte mit seinem Sprengsatz am Wochenende mitten in das öffentliche Leben Israels. Diesmal war es die Terasse eines Cafés in einem Vorort von Haifa. Da der 28 jährige Attentäter nicht in das Café eindrang, ist er neben mindestens 15 Verletzten das einzige Todesopfer.
Zu der Tat bekannte sich die extremistische Organisation Islamischer Dschihad.
Da Israel seit dem vergangenen Anschlag als Vergeltung das Orienthaus - die inoffizielle Zentrale der PLO - besetzt hält, sind weitere Eskalationen zu befürchten. Demonstranten versuchten am Wochenende zum Orienthaus zu gelangen " Dies ist unsere Stadt, und das Orienthaus ist unser Haus", erklärte die palestinensische Abgeordnete Hanan Aschrawi.

Weitere Nachrichten aus Israel von Adriana Marin Grez:

Waehrend Shabbat, um 17 Uhr, versammelte sich eine Menge vor der Ruine der Pizzeria Sbarro, um die gesamten Psalmen fuer die Opfer am Ort des Geschehens zu rezitieren. Mittlerweile sind alle Opfer beerdigt worden.
Die meisten der Verletzten sind mittlerweile entlassen worden, darunter auch die Ehefrau und Tochter des brasilianischen Opfers. Lediglich 11 befinden sich noch wegen der Schwere ihrer Verletzungen in der Intensivstation diverser Kliniken.

Die Opfer:

Die 15 jahrige Malka Roth aus der Ramot Nachbarschaft in Jerusalem erlag mittlerweile ihren Verletzungen.


Fuenf Mitglieder der Familie Schiwascherder kamen ums Leben. Die aus Holland stammende Familie hatte Aliya gemacht und lebte in Nerya -
Die überlebende 11 jaehrige Tochter der Familie Schewischuurder bestand darauf, auf einer Bahre zum Friedhof gebracht zu werden, mitsamt den ganzen Kathetern in ihren Venen, um dem Begraebnis ihrer Eltern und Geschwister beizuwohnen.
Mordechai (Motti) Schiwascherder, 43 Jahre
Tzira (Dura) Schiwascherder, 41 Jahre
Ra'aya Schiwascherder, 14 Jahre
Yitzhak Schiwascherder, 4 Jahre
Hemda Schiwascherder, 2 Jahre
Zwei Kinder der Familie sind noch im Krankenhaus, drei weitere waren nicht am Ort des Geschehens.
Berichte geben den Familiennamen auch als Sichsord an.

Frida Mendelsohn aus Jerusalem, 62 Jahre.
Sie kam in die Stadt für medizische Untersuchungen. Ihre Tochter überredete sie, in die Pizzeria Sbarro zu gehen. Sie sprach gerade das Shma, als sie getroffen wurde. Die Tochter befindet sich in medizinischer Behandlung im Krankenhaus.

Michal Raziel aus Jerusalem, 16 Jahre. Sie schickte eine SMS an ihren Freund, als sie um 1.45 das Restaurant mit Freunden betrat. Ihr Freund antwortete und fragte nach der Uhrzeit. Er erhielt keine Antwort mehr. Michal arbeitete als Madricha fuer die Ezra Bewegung in Kiryat Menahem.

Zvika Golombag aus Carmiel, 26 Jahre. Seine Eltern sollten die Eltern seiner Verlobten Na'ama gestern zum ersten Mal in Jerusalem treffen. Das Paar war beim Essen, als die Bombe explodierte. Na'ama wurde verletzt und befindet sich in ärztlicher Behandlung.

Lily Shamilashvili aus Pisgat Ze'ev, 33 Jahre.
Tamar Shamilashvili, 8 Jahre. Mutter und Tochter emigrierten vor 8 Monaten aus Moskau. Der Vater war auf einer Geschäftsreise in Moskau und der dreijährige Sohn besuchte seine Grosseltern, und entkam so dem Anschlag.

Giora Balash, 60 Jahre, ein Tourist aus Brasilien, der zu Besuch bei seiner Tochter Debora war. Sie waren beide im Restaurant als die Bombe explodierte.
Tehila Maoz aus Jerusalem, 20 Jahre. Sie war eine der Bedienungen der Pizzeria.

Judith Lillian Greenbaum, 31 Jahre. Eine Touristin aus New Jersey.
Judith Greenbaum war im 5 Monat schwanger. Sie war sofort tot, da der Attentaeter direkt hinter ihr stand, als er die Bombe zuendete. Der Ausloeser war an seinem Ellbogen befestigt, so dass er die Bombe zuenden konnte, selbst wenn ihn jemand festgehalten haette.

Yocheved Shoshan aus der Nachbarschaft Har nof in Jerusalem, 10 Jahre. Zwei ihrer Schwestern wurden bei der Explosion verletzt.

Shoshan Abuhatzeira aus Jerusalem. Alter nicht bekannt.

Augenzeugenberichten zufolge wurde der Selbstmordattentaeter von einem Motorrad vor der Pizzeria abgesetzt. Das Motorrad fuhr dann promt weiter. Der Attentäter betrag das Lokal, dessen Türen wegen der Klimaanlage geschlossen waren und zündete die an seinem Körper befestigte Tasche. Die geschlossenen Türen verstärkten den Aufprall der 4,5 bis 10 kg Bombe.
Gestern nacht fand am Kotel - der Klagemauer, eine Zeremonie fuer die Toten statt, die von sehr vielen Teenagern besucht war.
Heute früh ist die Altstadt voller Polizisten und Soldaten. Sie verhindern, dass viele Palestinenser die Mosche aufsuchen koennen, vor allem junge Männer, und die Situation zu weitereren Aufrufen von Gewalt und Feier der jüdischen Toten nützen und möglicherweise dazu aufgestachelt werden, die jüdischen Beter an der Klagemauer zu Shabbat Beginn mit Steinen zu bewerfen und anzugreifen.
Es wird erwartete, dass sehr viele Jerusalemer in die Altstadt zu Schabbat kommen werden, um dort die Toten zu betrauern und Kraft aus der gemeinsamen Schabbat Feier zu ziehen. Die Polizei ist allerdings auch dafür da, um die jerusalemer Palestinenser zu schuetzen, die sich in den letzten 10 Monaten sehr ruhig verhalten haben und keineswegs Angriffe gegen die jüdische Bevölkerung befuerwortet und angezettelt haben. Sie laufen ebenso wie die jüdischen Einwohner Gefahr, ihr Leben in den Angriffen zu verlieren. In der Tat kommt es in jüngster Zeit immer häufiger vor, dass Palestinenser aus den Autonomiegebieten Palestinenser mit israelischen Pässen angreifen. Erst vor ein paar Tagen wurde einer erschossen, weil sein Auto israelische Nummernschilder hatte. Die israelische Regierung warnt jetzt auch israelische Palestinenser davor, die umliegenden Ländern zu besuchen. Ihr Leben könnte in Gefahr geraten, wenn sie sich nach Jordanien, Syrien oder die Autonomiegebiete begeben, um Freunde, Familie zu besuchen, oder um Geschäfte zu machen.
In der Tat zeigen israelische Palestinenser in der Regel lediglich ein Interesse daran, innerhalb Israels mehr Gleichberechtigung zu erfahren, aber relativ wenig Interesse von Arafat oder der PA regiert zu werden.
Arafat indes plant auf Druck der radikal werdenden Bevoelkerung in den Autonomiegebieten, Gespräche mit der Hamas und Jihad zu fuehren, um eine all Gruppen Regierung zu bilden. Er hat die Gespräche heute erstsmals abgesagt. Wobei Kenner der Lage davon ausgehen, dass dies nur geschehen ist, um diplomatische Kritik von aussen zu vermeiden, da Jihad und Hamas beide die Verantwortung für das gestrige Attentat uebernommen haben. Es kursierten drei Namen von angeblichen Attentätern. Israel ist in weitere Alarmbereitschaft gesetzt worden, weil auf diese Weise die Namen von zwei weiteren Attentätern bekannt wurden, die noch ziemlich lebendig in den Autonomiegebieten herumrennen. Es kann damit gerechnet werden, dass Israel ein Auge auf diese 23 jährigen Jungs werfen wird.

Aufruf an alle jüdische Leute in der Diaspora
Israel hat zur Zeit vehemete Probleme, die Opfer von Terroranschlägen zu behandelt. Die Krankenhäuser brauchen dringend finanzielle Unterstüzung. Der Gesundheitsminister Nissim Dahan benötigt mindestens 190 Millionen Schekel, das heisst 100 Millionen DM, um die Kosten der Notfälle zu decken. Das Beste, was die Diaspora Gemeinden tun können, um Israel zu unterstützen, sind Veranstaltungen, wie z.B. der jährliche Wizo Basar, um Magen David Adom mit den notwendigen Mitteln auszustatten. Tzedaka Sammlungen an Rosh Hashana sollten dieses Jahr alle an Magen David Adom gehen. Magen David Adom macht den Unterschied, ob von einem Anschlag wie gestern nur 18 Leute sterben, oder 135 mehr, die ohne Behandlung ihren Verletzungen erliegen werden. Der Gesundheitsminister hat bereits angedroht, dass er beim nächsten Anschlag die Verletzten statt in ein Krankenhaus, zum Finanzministerium Israels bringen wird.
Aber das Finanzministerium ist nicht gerade in der Lage, diese Kosten alleine zu tragen. Finanzen sind auch nötig, um Staatsangestellte und Programme arabischer Dörfer innerhalb Israel zu bezahlen. Diese Kosten sollten von jemanden getragen werden. Denn ohne die Deckung solcher Programme, riskiert Israel, dass sich auch die israelischen Palestinenser sich gegen den jüdischen Staat wenden. Wenn sie aber Geld für ihre Schulen und andere kommunalen Aufgaben erhalten (Dörfer im Galil), ist dies die beste Sicherheitsinvestition im Inland.

Augenzeugenbericht vom 9.8.2001 von Adriana Marin Grez
Heute in Jerusalem:

"Eines Tages beschlossen die Pflanzen im Paradies, unter sich einen Koenig zu suchen. Und so ueberlegten sie, wer diese Ehre am meisten verdiente. Und so kamen sie dann zum Feigenbaum. Denn dieser gab seine Blaetter dafuer, die Scham der Menschen zu bedecken. Und auch seine Fruechte waren etwas besonderes. Aber der Feigenbaum lehnte es ab, Koenig zu sein. Denn er war einfach zu beschaeftigt damit, seine Fruechte hervorzubringen. Und so gingen sie dann zu den Weinreben. Aber auch die Weinreben waren zu bes chaeftigt, Trauben fuer Saft und Wein zu machen, um Koenig sein zu koennen. Schliesslich blieb nur der Dornenbusch uebrig und sie fragten ihn. Der Dornenbusch sagte, klar, kann ich euer Koenig sein. Aber wenn euch meine Entscheidungen nicht gefallen, dann duerft ihr euch nicht beschweren, denn ich bin euer Koenig. Diese Geschichte soll uns lehren, dass wir aufpassen muessen, uns keinen Dornenbusch als Regierung zu waehlen", erzaehlte Daniel vom Kibbuz Gera. Welche Frucht halte! ich aber fuer den Koenig, wollte er von mir wissen, wahrend er mir Trauben von den Reben ueber den Bunker schnitt, der seine Terasse ist. Ich war geneigt, den Feigen den Vortritt zu lasse, weil ich sie wirklich mag. Seit heute besteht kein Zweifel mehr. Fuer mich werden sie immer einen besonderen Platz in meinem Leben einnehmen. Denn sie haben mir heute das Leben gerettet. Ich hatte Hunger. Und so beschloss ich zum Shuk, dem Markt in der Jaffa Street in Jerusalem zu gehen, um diese Teigkringel zu kaufen. Nach dem Einkauf lief ich an dem Obstand vorbei und spontan beschloss ich, ein paar Feigen zu kaufen. Ich fragte nach dem Preis. 12 Schekel das Kilo. Das sind etwa 6 DM. Ob ich auch weniger kaufen koennte. Aber der Haendler wollte mir nicht weniger als eine Kiste mit 1,5 kg verkaufen. Dann eben nicht und schon machte ich mich auf den Rueckweg vom Schuk. Am Stand war aber au ch ein junger Mann, und dieser verhandelte mit dem Haendler und ueberzeugte ihn, mir ein Pfund Feigen zu verkaufen und sagte ihm zu, den Rest zu kaufen. Waehrend ich also meine Feigen bekam, sprach der junge Mann in sein Handy. Ich verstand zwar kein Wort, aber das war kein Hebraeisch, das war Russisch, so viel konnte ich sagen. Und als ich also mein Obst erhielt, nickte ich ihm zu und sagte "spaziba". Er nickte und ich ging davon. Aber nach kurzer Zeit kam er hinterher und fragte, ob ich denn russisch spreche. Ich sagte nein, nur ein paar Woerter, die ich in Berlin gelernt habe, weil es dort viele Russen in der Gemeinde gibt. Daraufhin erzaehlte er mir, er sei von der Ukraine. Unsere gegenseitige Kommunikationsmoeglichkeiten erschoepft, ging jeder seiner Wege. Ich bechloss zurueck zum Pressebuero in der Hilell Street zu laufen und bei der Gelegenheit einen Blick auf die Schuhe in der Jaffa Street zu we rfen, da meine klare Spuren von Aufloesungserscheinungen zeigten. Keine 200 Meter weiter, hoerte ich die erste Sirene. Un dann die zweite. Bei der dritten Sirene war klar, dass es einen Bombenanschlag gegeben hatte. In der Mitte der Strasse stand eine Polizistin. Die Menschen rannten die Jaffa Street herunter, diejenigen die aus der anderen Richtung kamen hingen alle an ihren respektiven Handies. Ein Krankenwagen von Magen David Adom, zwei, drei, vier, fuenf, dazwischen Milita! er, Polizei, Autos mit Blaulicht , die Polizistin winkte sie nach rechts, nach links, geradeaus. Dazwischen Trupps von rennenden Chassiden. Berittene Polizei, Soldaten mit Kameras, Menschen die unter Schock auf der Strasse lagen, waehrend andere ihnen einfach eine Flasche Wasser ueber den Koerper schuetteten. Heulende Menschen, Kinder, die weinend und mit entsetzten Gesichtern sich an Fremde und Kuehlschraenken klammerten, und jeder hatte sein Handy am Ohr. Dazwischen rannten Uniformierte und versuchten die Menschen vom Ort des Geschehen s weg zu treiben. Und schriehen sie an, ob sie denn kein Hebraeisch koennten. Im Vorbeilaufen erkannte ich das Gesicht einer Frau, die ich letzten Schabbat kennen gelernt hatte. Und sie sprach Englisch. Und so fragte ich sie, wo es passiert sei. Eine Bombe sagte sie. Das konnte ich mir denken. Noch nicht einmal eine Massenkaramboulage auf der deutschen Autobahn erzeugt dieses organisierte Durcheinander von Mensch, Sirenen, Polizei, Feuerwehr, Krankenwagen und religioeser Autor! itaet. Die junge Frau fuehrte ei ne andere Frau am Arm. Sie trug einen Security Armband auf ihrer Jacke. Jaffa Street Ecke King George im Restaurant Spiro. Da haette ein Motorrad angehalten und eine Bombe sei hochgegangen. Die junge Frau war gerade im Restaurant. Das Restaurant sei Jaffa Ecke King George hiess es. Und genau da musste ich vorbei, um ins Buero zu gehen. Ich versuchte meine Mutter anzurufen und Milch und Honig, um einen life Bericht vor Ort zu geben. Aber umsonst. Und so musste ich einen anderen Weg finden, um ins Buero und ans Telefon zu gelangen. Wie sich dann herausstellte, konnte ich niemanden anrufen, denn nach Attentaten blockiert Israel die auswaertigen Telefonnummern. Die entsprechende Durchsage kommt auf Englisch, Arabisch und Russisch. Endlich im Buero hoerte ich dann, dass es sich um die Pi zzeria Sabiro gehandelt hatte. Drei Tote und mehrere Verletzte soll es gegeben haben. Das Restaurant ist nicht irgendeines. Es handelt sich dabei um eine der beliebtesten Pizzerien in Jerusalem. Und sie liegt genau am zentralsten Kreuz der Stadt: Jaffa, King George und Ben Jehuda. Dass Mittags um zwei nicht mehr Leute getroffen wurden ist fast ein Wunder. Vielleicht weil es heute einfach zu heiss ist fuer Pizza. Ich war gestern noch dort. Heute frage ich mich, wer die Toten und wer die Verletzten waren. Irgendjemand, den ich in den letzten Tagen kennen gelernt habe? Die junge Frau, die gestern meine Pizza Bestellung ueberhoert hat? Oder ihre Kollegin, die sich fuenf Mal bei mir fuer einen Fehler entschuldigt hat, den sie nicht begangen hatte? Irgendeine dieser frommen Israeli Familien, oder einer der Amerikanischen Studenten, die fuer ein paar Wochen bei Aisch HaTorah sind, um die Torah zu studieren? Noch habe ich es nicht gehoert, aber ich werde es sicherlich heute Abend tun. Und noch vor Schabbat werden wir uns alle auf dem Friedhof vor der Stadt wieder finden. Um unsere Toten zu begraben. Heute Abend muss ich ueberall puenktlich sein, denn wenn ich zu spaet komme, werden sie denken, mir ist etwas passiert. Aber ich bin wohlauf, mit einem leichten Schock und wackligen Knien, aber wohlauf, dank Haschem, einem Russen aus der Ukraine und einem Pfund Feigen.

Unbelehrbar I

Die Berliner Zeitung vom 9.8. berichtet über eine weitere Etappe der Beziehungen zwischen Vatikan und Judentum: von einer am Dienstag publizierten Erklärung des Presseamtes des Heiligen Stuhls heißt es, dass sie in Ton und Inhalt einer Kriegserklärung gleichkomme. Brisant: der Autor der Erklärung ist Deutscher, die Angegriffenen sind amerikanische Juden. Der Angriff richtet sich gegen die katholisch-jüdische Kommission, das Verhalten Papst Pius XII. im Zweiten Weltkrieg untersuchen sollte und vor wenigen Tagen aus Protest gegen die Behinderung ihrer Arbeit von Seiten des Vatikan ihre Tätigkeit eingestellt hatte. (Milch und Honig berichtete) Der Vatikan hatte den sechs Mitgliedern (3 jüdischen, 3 katholischen Wissenschaftlern) endgültig den Zugang zum Archivmaterial aus den Kriegstagen verweigert hatte. Von vorneherein war die Arbeit der Kommission auf "ausgewählte", von Jesuiten publizierte Akten beschränkt worden. Die Berliner Zeitung zitiert die vatikanische Erklärung: "Jeder Forscher weiß natürlich, dass kein Archiv konsultiert werden kann, wenn die Dokumente nicht katalogisiert und klassifiziert sind." Neben mangelnder Professionalität der Forschertätigkeit wird den Kommissionsmitgliedern aber auch üble Nachrede vorgeworfen, Zitat der Berliner Zeitung: "Einige der jüdischen Mitglieder der Gruppe haben öffentlich den Verdacht verbreitet, der Heilige Stuhl versuche Dokumente zu verbergen, die in seinen Augen kompromittierend wären", Zudem hätten sich die nicht namentlich genannten Beschuldigten in "offen inkorrekter Weise" der "Verbreitung verzerrter und tendenziöser Nachrichten" in der internationalen Presse schuldig gemacht. Das Schlussresüme laute: "Die Initiative, welche die Beziehungen zwischen katholischer Kirche und der jüdischen Gemeinschaft verbessern sollte, ist folglich gescheitert. Verantwortlich für das Scheitern sind jene, die in Missachtung elementarer akademischer und menschlicher Verhaltensregeln sich unverantwortlicher Verhaltensweisen schuldig gemacht haben."


Unbelehrbar II

In einem Artikel der "Welt" vom 9.8. wird Martin Walser in einem Gesrpäch mit "Bunte"-Autor Paul Sahner mit den Worten zitiert , er habe von seiner Rede in der Frankfurter Paulskirche vor drei Jahren, anlässlich derer ihn der damalige damalige Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, einen "geistigen Brandstifter" genannt hatte, "natürlich nichts zurückzunehmen". Allerdings, so heißt es in der "Welt", bedaure er den Tod von Ignatz Bubis: "Ich hätte ihn sicher irgendwann noch einmal gern getroffen, in einer von beiden Seiten entspannteren Stimmung."

 

Mord in Amman

Die Potsdamer Neuesten Nachrichten berichten am 9.8. über den Mord an einem israelischen Geschäftmann in der jordanischen Hauptstadt Amman. Die Echtheit eines seit Dienstag vorliegenden Bekennerschreibens einer Gruppe "Noblen von Jordanien" wird sowohl von jordanischer als auch von israelischer Seite noch angezweifelt. In einer Verlautbarung der Gruppe heißt es, das Opfer sei CIA-Agent gewesen. Zugleich werden "zionistische Juden" und Amerikaner aufgefordert, Jordanien zu verlassen. Sie würden auf jordanischem Boden als "legitime Ziele" betrachtet. Es sei an der Zeit, den "bedrängten Brüdern in Palästina zu Hilfe zu kommen".

 

Eröffnung muß verschoben werden

Die "Volksstimme Magdeburgs" weist am 9.8. auf eine Terminverschiebung hin: Bedingt durch Unwetterschäden kann das Behrend-Lehmann-Museum in Halberstadt nicht, wie geplant, am 26. August seine Pforten öffnen. Ob das anlässlich der Eröffnung geplante "Fest der Toleranz" ebenfalls auf den 23. September verschoben wird, ist noch unklar.

 

Politik und Kopfgeldjaeger Beirut

Ein schiitischer Iman im Libanon hat einen Preis auf den Kopf des aschkanasischen Oberrabbiners von Israel gesetzt. Nachdem dieser die Vorgehensweise der israelischen Regierung gegen palaestinensische Extremisten gut hiess, setzte der Iman 1 Million Dollar aus, sollte jemand Rabbiner Meir Lau umbringen. Damit ist der Rabbiner einer unter einem Dutzend Israelis, auf die solche Preise in der isralimischen Welt ausgesetzt wurden.

 

Fliegernder Irrtum

Jelin. Israelische Sicherheitskraefte greifen weiterhin kraeftig gegen Terroristen durch. Sie schnappten sich einen Mann, der fuer einen missglueckten Bombenattentat auf eine Bus verantwortlich ist. Nur: sie mussten bald feststellen, dass sie den falschen Mann erwischt hatten. In aller Fairness muss man sagen, dass sie den Mann einfach per Helikopter dort absetzten, wo sie ihn vorgefunden hatten.

 

Politiker in Bredouille

Jerusalem. Yonathan Ben Artzi, ein Neffe von Benyamin Netanyahu hat diese Woche das Hoechste Gericht darum gebeten, ihn als einen Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgruenden anzu erkennen. Der 17 jaehrige, der dieser Tage seine Einberufung zum Militaer erwartete, gab im israelischen Fernsehen zu verstehen, dass er prinzipiell gegen jede Armee sei. Fuer den rechten Onkel, der eine harte Linie in militaerischen Fragen fuerht und dessen aeltester Bruder Mitglied in einer Eliteeinheit war und bei der Befreiung des entfuehrten Flugzeugpassagiere in Entebe fiel, ist dies ein harter Schlag.

 

Der Kampf gegen den Rassismus bei der Antirassismus Konferenz

Suedafrika. Die Repraesentanz des suedafrikanischen Judentums hat sich nun in Sachen Durban Konferenz gegen Rassismus gemeldet. Sie forderte die Suedafrikanische Regierung auf, die Konferenz nicht zu einer Farse werden zu lassen, in der islamische Laender ihre zahlenmaessige Mehrheit nutzten, um Israel zu verdammen und zu isolieren. Es sei gerade zu grotesk, dass diese Laender Israel auf diese Weise angreifen, wo sie doch selber nicht gerade zimperlich mit den Menschenrechten umgehen.

Weiteres aus dem Plakat - Theater

Lea Roshs Erwiderung auf H. Broder:
Holocaust-Plakat Der öffentliche Raum ist keine "Ambulanz" Eine Erwiderung (Potsdamer Neueste Nachrichten 6.8. 2001)

Schreiben Sie mir auf mein Konto
Henryk M. Broder über Lea Rosh und die Privatisierung des Holocaust
(Potsdamer Neueste Nachrichten 5.8.2001)

 

"Aus" für das Plakat

Laut einem Bericht der Berliner Morgenpost vom 4.8. soll das umstrittene "Holocaust-Plakat" vorzeitig - schon Mitte August statt September - abgehängt werden. Das hat am Freitag der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, in mehreren Telefonaten mit Lea Rosh durchgesetzt.

Einem Bericht der TAZ vom heutigen 6.8. zufolge soll das Plakat sofortabgehängt werden. Nach der Welt am Sonntag fühle sich Spiegel von Rosh getäuscht. Diese hatte das Ende der Aktion nach Gesprächen mit Spiegel für Mitte August angekündigt.

 

Polen

Wie die NZZ am heutigen 6.8. berichtet, ist am Sonntag der Bürgermeister der ostpolnischen Kleinstadt Jedwabne, Krzysztof Godlewski, zurückgetreten. Godlewski habe sich bei der Aufklärung eines Juden-Pogroms vor 60 Jahren von den Ratsmitgliedern unzureichend unterstützt gefühlt. (NZZ 6.8.)

Keine Klärung im Vatikan

Die Nürnberger Zetung vom 6.8. berichtet, dass die katholisch-jüdische Historikerkommission, die Licht in die Rolle des Vatikans während des Nationalsozialismus bringen sollte, ihre Arbeit eingestellt hat. Mangelnde Kooperationsbereitschaft des Vatikan, so die Nürnberger Zeitung, sei die Begründung gewesen. Die Recherchen seien von der Kirchenführung behindert worden. (Nürnberger Zeitung 6.8.)

Antworten auf Möllemann

Paul Spiegel wies laut der TAZ vom 4.8. die Behauptung Jürgen Möllemanns, Israel betreibe "Staatsterrorismus" (siehe unten) zurück."Die israelische hat ebenso wie jede andere demokratische Regierung der Welt nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, zum Schutz der Bevölkerung und damit unschuldiger Zivilisten, Terroristen oder potenzielle Gewalttäter mit angemessenen Mitteln zu bekämpfen." Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Ludger Volmer (Grüne), warf Möllemann "einseitige Parteinahme und Pauschalverurteilungen" vor

Die Mutter entscheidet

Jüdische Gemeinden streiten, welche Juden nach Deutschland einwandern dürfen (Süddeutsche Zeitung 4.8.) (Spiegel, Brenner Rothschild - 3 Meinungen)

 

Für Jekkes, nicht für jedermann Die "Israel-Nachrichten" (NZZonline 5.8.)

 

Sonderbriefmarke "Jüdisches Museum Berlin"

Zusätzlich zum Sonderpostwertzeichen-Programm 2001 wird das Bundesministerium der Finanzen im September 2001 eine Sonderbriefmarke zur Eröffnung des Jüdischen Museums Berlin herausgeben. Das Sonderpostwertzeichen (Auflage: 30 Millionen) wurde von dem renommierten Grafiker Prof. Hans Günter Schmitz aus Wuppertal gestaltet. Es hat einen Wert von 110 Pfennigen / 0,56 Euro und soll am 5. September 2001 an die Postschalter gelangen.

 

Israelische Entwicklungen

Reise durch den Körper WASHINGTON - In der neuesten medizinischen Errungenschaft aus Israel schluckt der Patient eine in einer Tablettenkapsel eingeschlossene winzige Kamera, die dann Videoaufnahmen vom Inneren des Verdauungstrakts sendet.
(20min.ch 3.8.)

Forscher züchten Herzzellen Haifa . Israelischen Wissenschaftlern ist es gelungen, aus embryonalen Stammzellen menschliche Herzzellen zu entwickeln. Das gezüchtete Herz-Gewebe sei in der Lage, spontan zu schlagen und habe die elektrischen Eigenschaften und die mechanische Charakteristik junger Herzzellen, teilten die Forscher um Izhak Kehat und Lior Gepstein der medizinischen Fakultät des „Technion-Israel Institutes of Technology“ in Haifa mit. (Weser Kurier 3.8.2001)

Drogenring zerschlagen

Barcelona
Ein weltweit operierender Ecstasy-Drogenring ist in Barcelona zerschlagen worden. Wie die Polizei mitteilte, ist eine Gruppe von Israelis verhaftet worden, die von Barcelona aus ein Netzwerk zur Produktion und Verteilung von Ecstasy-Pillen leitete. Die Drogenhändler vertrieben jährlich rund eine Million Pillen. Die Dealer-Gruppe hatte von Barcelona aus die Herstellung der Drogen in ihre geheimen Labors in den Niederlanden koordiniert. Von dort aus sind die Pillen in die USA, nach Australien und Israel transportiert worden. (Ostsee-Zeitung 3.8.)

Möllemann meldet sich zu Wort

FDP-Vize Möllemann fordert umgehend internationale Beobachter in den Nahen Osten zu schicken. Israel betreibe dort «Staatsterrorismus«. Im Nahost-Konflikt muss Europa nach Ansicht von Jürgen Möllemann endlich seine passive Rolle aufgeben und sich für die Entsendung internationaler Beobachter einsetzen, forderte der stellvertretende FDP-Parteivorsitzende am Donnerstag im Deutschlandfunk. Möllemann ist zugleich Präsident der Deutsch-Arabischen-Gesellschaft. (Netzzeitung.de 3.8.2001)

Dialog

Deutsch-Israelischer Dialog der Journalisten in Wendgräben
Junge Journalisten aus Israel und Deutschland sind derzeit im Bildungszentrum der Konrad-Adenauer-Stiftung im Schloss Wendgräben zu Gast. Im Mittelpunkt des Dialogprogramms steht die politische und kulturelle Situation in der Bundesrepublik Deutschland.

(Volksstimme Magdeburg 3.8.2001)

Bessere Integration

Laut einem Bericht der Stuttgarter Nachrichten vom 3.8. 2001 fordert die FDP-Landesfraktion mehr Hilfen für jüdische Zuwanderer. Fraktionschef Pfister sagte gestern in Stuttgart, dass die mangelnde Anerkennung beruflicher Qualifikationen sowie fehlende Aprachkenntnisse seien die Hauptursache für die schwere Vermittlung in den erlernten Berufen, die häufig in den Bereichen Naturwissenschaften, Technik, Medizin und Pädagogik liegen. Anspruch auf Anerkennung von Prüfungen und Befähigungen sowie Spezialsprachkurse könnten Abhilfe schaffen.
(Stuttgarter Nachrichten 3.8. 2001)



"Holzhammermethoden"

Laut einem Bericht des Tagesspiegel wird die Kritik am umstrittenen Plakat für das Holocaustdenkmal schärfer. "Das Plakat muss weg", habe Michel Friedman, Vizepräsident des Zentralrats der Juden gesagt. Er empfinde den Slogan "unerträglich". Salomon Korn, Mitglied des Stiftungskuratoriums, warf Lea Rosh sogar "Holzhammer-Methoden" vor. Auch Paul Spiegel hält das Plakat für mißlungen. Der Tagesspiegel zitiert Spiegel: "Dass sich ein Überlebender durch die Textzeile verletzt fühlt, kann ich verstehen", sagte Spiegel, "aber nicht, dass Strafanzeige gestellt wird". Auch Friedman hält eine Anzeige für falsch, warnte aber: "Wenn 25 Prozent der Jugendlichen nicht wissen, was Auschwitz war, können sie durch ein solches Plakat verführt werden." Für Friedman zeige sich aber auch die Gleichgültigkeit in der Gesellschaft gegenüber dem Projekt des Holocaust-Mahnmals. Es mangele an Identifikation, das Plakat sei ein "misslungener Hilfeschrei".
(Tagesspiegel 2.8.2001)

 

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